Macher gesucht – Clever mobil

Dieser Artikel erschien in der KlimakomPakt 03/2016

Gerd Bicker ist eigentlich kein Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht. Als er jedoch von der Auszeichnung des Kreises Lippe zur Masterplan-Kommune und dem Aufruf des KlimaPakts Lippe zur Nennung von positiven Klimaschutz- beispielen las, wandte er sich an das Masterplan-Team des Kreises, um von seinem Umstieg auf eine nachhaltige Mobilität zu berichten.

Bereits seit 2004 betreibt Familie Bicker eine Photovoltaik-Anlage auf ihrem Haus, die sie erst kürzlich um einige Module und einen Lithium- Ionen-Akku zur Speicherung des nicht direkt genutzten Stroms erwei- tert hat. Am meisten begeistert sie aber die Anschaffung eines ge- brauchten E-Autos, das im Sommer 2016 bei einem lippischen Elektrofahrzeug-Händler als Zweit- wagen erworben wurde. Der Zweisitzer, ein Tazzari mit 13 kW Leistung, hat eine Reichweite von 100 km und kann ausschließlich über den eigenerzeugten Strom auf Bickers Dachfläche geladen werden.

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Und auch wenn die heutige E-Auto- Generation bereits deutlich größere Reichweiten bietet, reicht das ältere, kleine Modell für Bickers Zwecke voll und ganz aus. Es ist eine Ergän- zung und sollte sich auch rechnen.

Der Impuls für den Umstieg auf das E-Mobil kam aus der unbefriedigen- den Mobilitätssituation in Bezug auf Gerd Bickers Arbeitsweg. Für die 9 km zu seiner Arbeitsstelle nutzte er häufig das Rad. Da das aber nicht bei jedem Wetter eine komfortable Lösung und auch die ÖPNV-Anbin- dung von seinem Heimatort nicht optimal ist, habe er sich schließlich nach einer Alternative umgesehen, die zugleich flexibel und klima- freundlich ist. Dabei sei er auf das E-Auto gestoßen.

„Der Klimawandel wartet nicht auf unseren Schweinehund“

Mit seiner Euphorie und seinem Enthusiasmus möchte Gerd Bicker nun gerne weitere Mitmenschen anstecken, wie er im Interview zeigt:

Was können Sie den Menschen, die noch keine Berührungspunkte mit E-Mobilität hatten, empfehlen?

Wenn Sie die Möglichkeit haben, testen Sie einmal verschiedene E-Autos. Das verspricht nicht nur Fahrspaß, sondern ist gleichzeitig auch klimafreundlich. Natürlich ist es nicht immer leicht, gewohnte bequeme Pfade zu verlassen, aber für diese Art der neuen Mobilität lohnt es sich. Zukunftsmobilität wird vielfältig sein. E-Mobilität ist eine Möglichkeit und ich finde, dass sie in meinem Alltag gut funktioniert. Bei max. 100 km/h kann ich gut im Straßenverkehr mitschwimmen.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, damit noch mehr Menschen E-Mobilität nutzen?

Zum einen müssen Informationen über E-Mobilität verbraucherfreund- licher und leichter zugänglich sein. Darüber hinaus müsste die Politik den Kauf von Elektroautos attrak- tiver machen und unsere Industrie sich stärker dafür einsetzen, dass die E-Mobilität vorangetrieben wird. Positive Effekte müssen einfach mehr herausgestellt werden.

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Wie fällt ihre Bilanz zur E-Mobilität aus?

Die Nutzung von E-Mobilität bereitet sehr viel Spaß und ist gar nicht so teuer, wie man immer denkt. Unser E-Auto hat 9.500 € (inkl. Batterie) gekostet, dazu kommen nur 57 € für Versicherung im Jahr. Darüber hi- naus bin ich für 10 Jahre steuer- befreit und die Tankladung kostet mich dank unserer PV-Anlage quasi nichts, da diese sich selbst trägt. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich in mein E-Auto steige. Man sollte nicht länger auf das „Nonplusultra“ der Mobilität warten, denn handeln müssen wir schon jetzt. Der Klimawandel wartet nicht auf unseren Schweinehund.